Aufbau und Struktur des Haares

Die Haare entstehen vor der Geburt

Bereits ab der 6. Schwangerschaftswoche beginnt die Entwicklung der Haare. Zu diesem Zeitpunkt werden die etwa 5 Millionen Haarfollikel gebildet. Nach der Geburt kommen keine neuen Haarfollikel mehr hinzu.
Jedoch wächst nicht an jedem dieser Follikel ein Haar. Es kann jedoch im Laufe des Lebens mehrere Haartypen entwickeln. Das erklärt auch, warum die Haarfollikel im Gesicht eines Mannes erst in der Pubertät anfangen, Barthaare zu entwickeln. Das Gleiche gilt auch für die Schambehaarung

Ein Querschnitt durch das Haar

Der sichtbare Teil des Haares wird Haarschaft genannt. Das innerste dieses Haarschafts bildet die Markschicht, die auch die Festigkeit des Haares bestimmt. Sie wird von der sogenannten Faserschicht umgeben und diese wiederum von der äußeren Hornschicht.
Ein Großteil der Faserschicht besteht aus einer Hornsubstanz, die auch Keratin genannt wird. In dieser Substanz befinden sich auch die für unsere Haarfarbe verantwortlichen Farbpigmente, die sogenannten Melanine. Die Faserschicht macht ungefähr 80 % unseres Haares aus und ist somit die dickste Schicht. Sie ist auch für die Elastizität und die Stärke des Haares verantwortlich.
Auch Cuticula wird die Hornschicht genannt, die ganz außen am Haar die Markschicht und die Faserschicht umschließt und aus schuppenartigen, plattenförmigen, verhornten Zellen besteht. Diese Hornplättchen werden durch Cystin, eine Kittsubstanz, zusammengehalten. Das Haar wird von fünf bis zehn dieser Schuppenlagen, die dicht übereinanderliegen, „zusammengehalten“. So ist die Hornschicht in der Lage, die innen liegenden Haarschichten zu schützen. Wird sie jedoch geschädigt, z.B. durch Färben, dann spreizen sich die Hornplättchen ab und schädigen so die Struktur des Haares. Da die Schuppenschicht transparent ist, schimmern die Farbpigmente durch und können so Licht reflektieren.

Ein Haar steht immer in Verbindung mit einem Haarmuskel und einer Talgdrüse. Durch den Zug des Muskels ist das Haar in der Lage sich aufzurichten. Die Nervenfasern, die jedes einzelne Haar zudem umspinnen, sind so fein, dass jede kleinste Berührung oder Bewegung, z.B. ein Luftzug, das Zusammenziehen herbeiführt. Das ist z.B. bei der Gänsehaut gut zu beobachten.
Fast unmittelbar unter der Kopfhaut, anschließend an den Haarschaft, liegen die Talgdrüsen. Sie sondern ein fettiges Sekret ab, mit dem das Haar geschmeidig gehalten wird. Je länger das Haar jedoch ist, desto schwieriger gestaltet sich dieser Vorgang. Daher ist langes Haar oft an der Kopfhaut fettig und an den Spitzen trocken.
Da das Haar ausschließlich von innen versorgt wird, ist die beste Vorraussetzung für gesundes und kräftiges Haar eine vernünftige Ernährung mit ausreichender Zufuhr von Vitaminen und Mineralsstoffen. Kosmetische Produkte können das Haar nur von außen schützen und pflegen.

In den unteren Bereich der Haarwurzel ragt die Haarpapille hinein. Sie ist mit Blutgefäßen versehen und versorgt das Haar mit Nährstoffen. An der Oberfläche der Papille sorgt eine Keimschicht für die Bildung neuer Haarzellen. Der Bereich um die Haarpapille und auch die Zellen angrenzender Regionen sind bedeutend für die Steuerung des Haarwachstums. Wenn das Haar mit der Haarpapille aus der Haut gerissen wird, kann an dieser Stelle kein neues Haar nachwachsen.

Die Haarwurzel liegt in einer Einstülpung der Haut, die Haarfollikel genannt wird. Am unteren Ende verdickt sich die Haarwurzel zu einer Haarzwiebel, die sich über die Haarpapille stülpt. Dort befinden sich auch die Mutterzellen, Matrix genannt, die durch Zellteilung den Zellaufbau des Haares herbeiführen. Dadurch kann ständig neue Haarsubstanz gebildet werden, die dann zur Hautoberfläche gedrückt wird. Die Zellen beginnen daraufhin zu verhornen und bilden so den Haarschaft. Im Grunde genommen ist das Haar also nicht mehr als ein totes, aus verhorntem Eiweiß (Keratin) bestehendes Anhanggebilde der Haut.

Der Haarzyklus

Der Haarzyklus besteht aus drei aufeinanderfolgenden Phasen, die sich immer wieder wiederholen. Die Anzahl der Kopfhaare schwankt ungefähr zwischen 90.000 und 150.000. Davon befinden sich ca. 85 % in der Wachstumsphase, 1 % in der Übergangsphase und 14 % in der Ruhe- bzw. Ausfallphase. Die Dauer der Wachstumsphase eines Haares umfasst ca. 2 – 6 Jahre. Nach Ablauf dieser Phase kommt es innerhalb von 1 – 2 Wochen zu Umbauvorgängen in der Haarwurzel und das Haar wird in Richtung der Kopfhaut geschoben. Diese Phase des Übergangs wird Katagenphase genannt.
Der tägliche und natürliche Verlust an Haaren ist ganz normal. So verliert jeder Mensch, ohne dass ein krankhafter Prozess vorliegt, täglich ca. 60 – 100 Haare. Das sind zudem auch die Haare, die sich am Ende der Ruhephase (Telogenphase) befinden und die durch Haare in der Wachstumsphase (Anagenphase) ersetzt werden. Das Herauslösen der zuletzt nur noch locker in der Kopfhaut sitzenden Telogenhaare, wird zu großen Teilen durch alltägliche Vorgänge wie Waschen oder Kämmen hervorgerufen. Oft werden sie jedoch auch von den nachkommenden Haaren des folgenden Zyklus herausgedrängt. An Tagen mit Haarwäsche fallen also oft mehr Haare aus als an Tagen, an denen nicht gewaschen wird. Durch Nicht-Waschen der Haare lässt sich allerdings das Ausfallen von Haaren nicht verhindern. Wird erst nach 3 Tagen gewaschen, fallen dann halt 3-mal soviel Haare aus wie bei täglicher Wäsche.

Recherche und Text: Flori.

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