Antonia (1979-2006)

1970 begann Trich bei mir, in der Kinderkur in Lüneburg. Eines Abends riss ich mir aus Heimweh, Liebeskummer, Trauer und Wut die Haare aus und begann auch gleich darauf rumzukauen.

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1979 mit Kopftuch: Ich wurde gerade 20 Jahre alt und befand mich in der Ausbildung zur Erzieherin, als die kahlen Stellen hinter den Ohren und am Pony so groß wurden, dass ich von da an nur noch Kopftücher trug.

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1981 mit Perücke: Nach Ende meiner Ausbildung Anfang 1980 bis Ende 1984 trug ich Perücke.
Meine Mutter meinte, so könnte ich mich nicht vorstellen und kaufte zusammen mit mir die erste Perücke. Von da an hatte ich immer das Gefühl, einen Deckel auf dem Kopf zu haben, mit dem ich mich immer unwohler fühlte.
Silvester 84/85 vernichtete ich alle Perücken und schwor mir, nie wieder eine zu tragen, egal wie groß die kahlen Stellen auch sein würden.

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1987: Zu Beginn hatte ich das Reißen gut im Griff. Aber 87 war schon wieder der Pony weggerissen.

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An der Stelle wuchsen weiße Haare nach, die mich noch mehr zum Reißen animierten, weil ich sie hasste.

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1988: Der Pony ist wieder weg. traurig

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1998: Meine Schwester hat mich zu meinem 40. Geburtstag zu sich nach Schweden eingeladen.
Bin seit 2 Jahren arbeitslos, vielleicht auch wegen Trich, aber bestimmt wegen meiner Gehbehinderung. Diese Ablehnung und Diskriminierung nagt schwer an mir, so dass meine kahlen Stellen immer größer werden.
Aber ich stehe dazu und verdecke sie nicht.

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2002: Seit 4 Jahren weiß ich, dass ich an Trichotillomanie leide. An der Hamburger Universität gibt es eine erste Studie dazu, an der ich teilnehme.
Zwei Jahre nehme ich Medikamente, sogenannte SSRI. Der Impuls zum Reißen hört fast sofort auf. Meine Haare wachsen wieder.
Ann Tomika übergibt mir die Infostelle. Ich lerne die DGZ e.V. kennen, in deren Vorstand ich mich von da an für Trichotillomanie stark mache.

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Sommer 2006: Nach den Medikamenten habe ich dann doch eine Verhaltenstherapie am UKE in Hamburg gemacht. Seitdem lebe ich gut mit Tricho. 90% des Reißens habe ich im Griff.
Ich weiß, dass nur ich es in der Hand habe, wie es „meiner Trich“ geht. Sie ist heute für mich ein Barometer, dass mir anzeigt, wann ich wieder achtsamer mit mir umgehen muß.

Liebe Grüsse, Eure Antonia